Erhebt der Schiedsbeklagte im Schiedsverfahren keine Zuständigkeitsrüge, ist er damit auch im Verfahren vor den staatlichen Gerichten regelmäßig ausgeschlossen.

Dementsprechend muss der Schiedsbeklagte die Unwirksamkeit der Schiedsvereinbarung bereits im Schiedsverfahren geltend machen.
Nach § 1040 Abs. 2 Satz 1 ZPO ist die Rüge der Unzuständigkeit des Schiedsgerichts im Schiedsverfahren spätestens mit der Klagebeantwortung vorzubringen; eine spätere Rüge kann das Schiedsgericht nach § 1040 Abs. 2 Satz 3 ZPO zulassen, wenn die Partei die Verspätung genügend entschuldigt. Diese Rügeobliegenheit erfasst auch den Fall, dass eine Schiedsvereinbarung besteht, der Schiedsbeklagte sie aber für unwirksam hält (vgl. § 1040 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
Erhebt der Schiedsbeklagte im Schiedsverfahren keine Zuständigkeitsrüge, ist er damit auch im Verfahren vor den staatlichen Gerichten regelmäßig ausgeschlossen1.
Ob Ausnahmen von dieser Präklusionswirkung in besonderen Konstellationen2 geboten sind, bedurfte für den Bundesgerichtshof im vorliegenden Verfahren angesichts der Umstände des Streitfalls keiner Entscheidung.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 16. Dezember 2021 – I ZB 31/21
- vgl. Begründung des Regierungsentwurfs eines Gesetzes zur Neuregelung des Schiedsverfahrensrechts, BT-Drs. 13/5274, S. 4; OLG Koblenz, SchiedsVZ 2005, 260, 261 25 bis 27]; KG, SchiedsVZ 2009, 179, 180 f. 30]; OLG München, SchiedsVZ 2011, 167, 168 19]; OLG Koblenz, VersR 2011, 1328, 1329 11]; OLG Frankfurt, Beschluss vom 10.09.2015 – 26 Sch 1/15 72; OLG Köln, Beschluss vom 04.05.2018 – 19 Sch 20/1720; Schwab/Walter, Schiedsgerichtsbarkeit, 7. Aufl., Kap. 16 Rn. 11; MünchKomm-.ZPO/Münch, 6. Aufl., § 1040 Rn. 45 mwN; Schlosser in Stein/Jonas, ZPO, 23. Aufl., § 1040 Rn. 16; Schütze in Wieczorek/Schütze, ZPO, 5. Aufl., § 1040 Rn. 35; Voit in Musielak/Voit, ZPO, 18. Aufl., § 1059 Rn. 11; Zöller/Geimer, ZPO, 34. Aufl., § 1040 Rn.20 f.; BeckOK.ZPO/Wolf/Eslami, 43. Edition [Stand 1.12.2021], § 1040 Rn. 5 und 18; aA Hammer, Überprüfung von Schiedsverfahren durch staatliche Gerichte in Deutschland, Rn. 480 bis 485[↩]
- zu missbräuchlichen Klauseln in Verbraucherverträgen vgl. EuGH, Urteil vom 26.10.2006 – C168/05, NJW 2007, 135 Rn. 30 – Mostaza Claro; zu Beschlussmängelstreitigkeiten in Gesellschaften vgl. Voit in Musielak/Voit aaO § 1059 Rn. 13; zum Fall der Nichtbeteiligung des Schiedsbeklagten im Schiedsverfahren vgl. Schlosser in Stein/Jonas aaO § 1040 Rn. 12; Voit in Musielak/Voit aaO § 1059 Rn. 13; Zöller/Geimer aaO § 1040 Rn. 21[↩]
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